Was versteht man bei der D&O-Versicherung unter Innenhaftung? 


Die sogenannte Innenhaftung spielt vor allem bei der Haftung von Organen eines Unternehmens (z.B. Geschäftsführer, Unternehmensleiter, Vorstände…) eine Rolle, wenn diese für Pflichtverletzungen in Ausübung ihrer Tätigkeit aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen für einen Vermögensschaden vom eigenen Unternehmen auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden. In der Praxis betreffen mehr als zwei Drittel aller Ansprüche die Innenhaftung. Dabei wird durch das Prinzip der Beweislastumkehr die Haftung sogar noch verschärft. Ist eine Pflichtverletzung strittig, muss der Manager nachweisen, dass keine Pflichtverletzung vorliegt und er sorgfältig gehandelt hat.
Die Haftung durch Managementfehler kann in 3 Kategorien unterteilt werden:

  • Organisationsverschulden
  • Auswahlverschulden
  • Überwachungsverschulden


Beispiele für die Innenhaftung, die Haftpflichtansprüche der Gesellschaft gegen das Management auslösen können:

 

Organisationsverschulden

  • Der Mangel an Unternehmensstrukturen mit klarer Definition von Aufgaben und Kompetenzen führt häufig zu Effizienzeinbußen und sub-optimalen Ergebnissen, die in den Verantwortungsbereich der Geschäftsleitung fallen.
  • Wird bei Vertriebsaktivitäten generell die Realisierbarkeit der Auftragsabwicklung und das Leistungsvermögen des Unternehmens außer Acht gelassen, führt dies nicht nur zur Unzufriedenheit einzelner Kunden, sondern oft auch zu Schadenersatzansprüchen und Imageschäden für das Unternehmen, für die das Management zur Verantwortung gezogen werden kann.
  • Managementfehler entstehen häufig auch durch die Fehleinschätzung von Unternehmensrisiken und dem Versäumnis ein funktionierendes Risk-Management zu implementieren.

Auswahlverschulden

  • Bei der Vergabe unternehmenswichtiger Aufträge z.B. im EDV-Bereich (z.B. Anschaffung einer Hardware-Infrastruktur oder Implementierung eines Warenwirtschaftssystem) muss die Geschäftsleitung sowohl bei der Auswahl des Dienstleisters (Kompetenz und Verlässlichkeit der Leistungserbringung) wie auch bei der Entscheidung über die angebotenen Produkte (Anforderungsprofil, Budgetplanung und Realisierungszeitrahmen) die nötige Sorgfalt walten lassen, um Schäden fürs Unternehmen zu vermeiden.
  • Mangelhafte Personalauswahl, insbesondere in Schlüsselpositionen, kann ebenfalls der Unternehmensführung angelastet werden.
  • Investitionsentscheidungen ohne die angemessene Berücksichtigung der aktuellen Marktlage, Entwicklungstendenzen und Kosten-Nutzen-Aspekte sind weitere klassische Managementfehler.

Überwachungsverschulden

  • Wird der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens signifikant negativ davon beeinträchtigt, dass die praktizierten Arbeitsabläufe von der festgelegten Geschäftsordnung und den Stellenbe­schreibungen abweichen, hat dies ggf. die Unternehmensleitung zu verantworten.
  • Fehlende Kontrollmechanismen bei der abteilungsübergreifenden Auftragsabwicklung können zu gravierenden Effizienzverlusten führen und somit Schadenersatzansprüche des Unternehmens begründen.
  • Gleiches gilt für strukturelle Mängel in der Angebotskalkulation, die in der Praxis oft zu erheblichen Verlusten führen.
  • Auch das Versäumen von Fristen kann viel Geld kosten und fällt in vielen Kernbereichen in die Verantwortung der Unternehmensführung



Was versteht man bei der D&O-Versicherung unter Außenhaftung? 


Die sogenannte Außenhaftung spielt vor allem bei der Haftung von Organen eines Unternehmens (z.B. Geschäftsführer, Unternehmensleiter, Vorstände…) eine Rolle, wenn diese für Pflichtverletzungen in Ausübung ihrer Tätigkeit aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen für einen Vermögensschaden von einem Dritten auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden.

Auch wenn viele Pflichtverletzungen vom Unternehmen selbst geahndet werden (sogenannte Innenhaftung), werden etwa in einem Drittel aller Fälle Ansprüche von Personen außerhalb des Unternehmens direkt gegen den Manager geltend gemacht. Man spricht hier auch von der Durchgriffshaftung, da z.B. die Rechtsform der GmbH einfach gesprochen zwar die Gesellschafter, nicht aber die Organe vor der Haftung schützt.

Schadenbeispiele zur Außenhaftung:

  • Unmittelbare Haftung des Managers gegenüber Dritten (außerhalb des Unternehmens stehenden Personen)
  • Nicht-Zahlung von Steuern und Abgaben
  • Verletzungen von Kapitalerhaltungspflichten
  • Verstöße gegen Zollbestimmungen
  • Bei drohender Zahlungsunfähigkeit wird nicht rechtzeitig der Insolvenzantrag gestellt: Der Geschäftsführer haftet persönlich für alle Zahlungen, die nach dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung geleistet werden
  • Herstellung von wettbewerbswidrigem Werbematerial (Verstoß gegen Wettbewerbs- oder Markenrechte)
  • Verschulden bei Vertragsschluss (culpa in contrahendo)
  • Vertragliche Haftung, persönliche Schuldübernahme
  • Verstöße gegen Wettbewerbs- oder Markenrechte
  • Haftung im Zusammenhang mit Fördermitteln
  • Publizitätspflichtverletzungen: „ad-hoc"-Mitteilungen (§ 88 BörsG) sind zu optimistisch oder es werden wichtige Mitteilungen unterdrückt.